Donnerstag, 23. Februar 2017

Warum mich als Schweizer Borussia Dortmund dermassen fasziniert


Als Schweizer Fussballfan habe ich wenig Grund zum Jubel. Während sich der Brasilianer, Deutsche oder Italiener alle paar Jahre einen neuen WM-Stern aufs Trikot klatscht, huschen wir kickenden Eidgenossen hinterher und freuen uns, wenn unser Nationalteam wenigstens in den Top 10 der Weltrangliste auftaucht oder an einer Endrunde mitmischt.
Umso grösser natürlich die Freude, wenn es einer von uns in die renommierte Bundesliga und da sogar zum Topspieler schafft. Mein Westschweizer Namensvetter Stephane Chapuisat wechselte 1991  zum schlafenden Riesen Borussia Dortmund. Der BVB hatte die abgelaufene Saison gerade mal auf Rang 10 beendet. Doch dann kam Chappi und rockte die Liga. Er schoss 20 Tore und Dortmund wurde Vizemeister. Das war die beste Platzierung seit 15 Jahren. Es folgten noch viele, viele Chappi-Treffer, gekrönt von zwei Meistertiteln und sogar einem Champions League-Triumph. Bis heute ist mein berühmter Namensvetter mit 106 Toren der drittbeste ausländische Torschütze der Bundesliga-Geschichte.
Und ich wurde auf den BVB aufmerksam. Dortmund? Wer wie wo was? Zwar hatte zuvor mit Andy Egli bereits ein Schweizer beim BVB gespielt. Aber mit bescheidenem Erfolg. Doch die Rakete Chapuisat zündete. Später schoss mit Alex Frei ein weiterer Schweizer Stürmer immerhin 34 Tore für die Borussia.
Da musste ich hin. Bereits am Hbf Dortmund war ich fasziniert. Als ich am Samstagmittag aus dem Zug stieg, war der ganze Vorplatz gefüllt mit gelb-schwarz gekleideten Menschen. Inmitten dieses Riesenknäuels bewegte ich mich mit zum Stadion, wo sich diese gigantische Biene Maya mit den blau-weissen Gästefans von Hertha Berlin friedlich zu vermischen begann. Ich staunte.
Mein Platz befand sich hoch auf der Gegentribüne, für Leute mit Höhenangst ungeeignet, rechts erhob sich die legendäre Südkurve mit ihren 25‘000 Stehplätzen.
Die Schweizer wie Chapuisat oder Frei gingen – der Mythos und meine Faszination blieben. Als dann Jürgen Klopp das Trainerzepter übernahm, schaute ich mir in Nürnberg ein weiteres BVB-Spiel an. Mindestens ein Fünftel des Stadions war gelb-schwarz, die verrückten Dortmund-Fans reisen selbst zu Freundschaftsspielen zu tausenden in die hinterste Provinz.
Die kuriose Parallele übrigens zu meinen beiden BVB-Spielen; sowohl das Heimspiel gegen die Hertha wie auch das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg endeten 1:1. Fussballerisch blieben mir beide Spiele nicht in besonderer Erinnerung. Aber der Mythos war zum Greifen nah.
So habe ich mir natürlich auch das Buch „Echte Liebe“ besorgt, welches die letzten zehn BVB-Jahre aufrollt. Der Verein schaffte es in dieser Dekade, vom hochverschuldeten Koma-Patienten zum finanzstarken Champions League-Finalisten aufzusteigen. Lesenswert ist es allemal. Mehr HIER.
Mit Roman Bürki hat übrigens wieder ein Schweizer eine zentrale Rolle. Der Torwart hat Meister-Keeper Roman Weidenfeller abgelöst und steht seit bald zwei Jahren als Nummer 1 im BVB-Kasten.

Dort mundet das Bier besonders gut
Und das Borussia-Stadion hat für uns Schweizer nicht nur dank Chappi, Alex Frei und jetzt Roman Bürki eine historische Bedeutung. Während der Fussball-WM 2006 bestritt die Schweizer Nationalmannschaft ihr Gruppenspiel gegen Togo in der Dortmunder Arena und siegte 2:0, was die Qualifikation für die nächste Runde bedeutete. Im Stadion waren mehr als 50‘000 Schweizer Fans. Der gelb-schwarze Kessel für einmal in rot-weisser Hand. Es gibt keine Arena in der Schweiz, die so viel Platz bietet, also wird es in der Fussball-Historie nie wieder ein Spiel der Nati geben, das ein solch grosses Publikum anzieht.

Unvergessen: Als der Tagesschau-Moderator des Schweizer Fernsehens an die Siegstätte schaltete, sagte er den genialen Satz. „Wir wechseln jetzt zur Fussball-WM. Dort mundet das Schweizer Bier heute besonders gut.“

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